
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Luft mit Wasserdampf gesättigt ist. Kühlt sie weiter ab, kann sie die Feuchtigkeit nicht mehr in Gasform halten – sie kondensiert. Das ist der Beschlag am Bierglas, der Nebel über der Wiese und, bauphysikalisch relevant, das Wasser an der kalten Außenwandecke.
Wovon der Taupunkt abhängt
Von zwei Größen: der Lufttemperatur und der relativen Luftfeuchte. Je wärmer die Luft, desto mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen. Je höher die relative Feuchte, desto näher liegt der Taupunkt an der aktuellen Temperatur.
| Raumtemperatur | rel. Luftfeuchte | Taupunkt |
|---|---|---|
| 20 °C | 40 % | ca. 6 °C |
| 20 °C | 50 % | ca. 9 °C |
| 20 °C | 60 % | ca. 12 °C |
| 20 °C | 70 % | ca. 14 °C |
| 22 °C | 60 % | ca. 14 °C |
Die Zahlen zeigen das Grundprinzip: Bei 60 Prozent Luftfeuchte reicht eine Wandoberfläche von unter 12 Grad, damit dort Wasser ausfällt. In einer Zimmerecke an der Außenwand ist das im Winter keine Ausnahme, sondern der Normalfall.
Warum das über Schimmel entscheidet
Entscheidend ist nicht der Punkt, an dem Wasser sichtbar wird, sondern die relative Feuchte direkt an der Oberfläche. Sie steigt an kalten Stellen an, weil die Luft dort abkühlt. Ab etwa 80 Prozent Oberflächenfeuchte beginnen die ersten Schimmelarten zu wachsen – lange bevor jemand Kondenswasser sieht.
Deshalb gilt in der Praxis: Nicht die Raumluftfeuchte allein ist das Problem, sondern die Kombination aus feuchter Luft und kalten Bauteilen.
Der Taupunkt im Wandaufbau
In einer Außenwand fällt die Temperatur von innen nach außen ab. Irgendwo in diesem Verlauf liegt der Taupunkt – die Frage ist nur, wo:
- Ungedämmte Wand: Der Taupunkt liegt nah an der Innenoberfläche. Deshalb sind Altbauwände im Winter innen kalt und schimmelanfällig.
- Außendämmung: Die Wand wird warm, der Taupunkt verlagert sich in die Dämmschicht. Das Mauerwerk bleibt trocken – bauphysikalisch die beste Lösung.
- Innendämmung: Die Wand dahinter wird kälter, der Taupunkt wandert an die Grenzfläche zwischen Dämmung und Mauerwerk. Deshalb braucht Innendämmung entweder eine dampfbremsende Schicht oder ein kapillaraktives System, das Feuchte zurückführt.
Praktische Konsequenzen
- Luftfeuchte messen statt schätzen: ein Hygrometer je Etage, Zielbereich 40 bis 60 Prozent.
- Stoßlüften statt kippen: Das gekippte Fenster kühlt die Laibung aus und senkt dort die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt.
- Alle Räume beheizen, mindestens auf 16 bis 17 Grad. Ein kalter Raum neben einem warmen sammelt dessen Feuchte.
- Möbel mit Abstand zur Außenwand stellen, damit die Wand hinter ihnen warm bleibt.
- Bei wiederkehrendem Schimmel die Oberflächentemperatur messen lassen – ein Infrarotthermometer zeigt die Wärmebrücke in Sekunden.
Siehe auch den U-Wert, der beschreibt, wie viel Wärme ein Bauteil durchlässt – und damit, wie kalt seine Innenoberfläche im Winter wird.
Wie berechne ich den Taupunkt?
Aus Raumtemperatur und relativer Luftfeuchte, üblicherweise über eine Taupunkttabelle oder die Magnus-Formel. Für den Alltag genügt die Faustregel: Bei 20 Grad und 60 Prozent Feuchte liegt der Taupunkt bei rund 12 Grad.
Warum ist der Taupunkt für Schimmel wichtig?
Schimmel braucht kein flüssiges Wasser. Er wächst bereits, wenn die relative Feuchte an der Oberfläche dauerhaft über etwa 80 Prozent liegt – das passiert deutlich früher, als sichtbares Kondensat entsteht.
Wo liegt der Taupunkt in einer gedämmten Wand?
Bei Außendämmung liegt er in der Dämmschicht und damit außerhalb der tragenden Wand – das ist der bauphysikalische Grund, warum Außendämmung günstiger ist als Innendämmung.
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