Kategorie: Baustoffe

  • Kimmstein: Bedeutung und Aufgabe der ersten Steinreihe

    Bau & Konstruktion · Baustoffe

    Kimmstein

    Ein Kimmstein ist der Mauerstein der ersten Steinreihe auf der Bodenplatte, der in einem dicken Mörtelbett verlegt wird und dabei alle Höhenunterschiede des Untergrunds ausgleicht.

    Moderne Mauersteine werden im Dünnbettmörtel versetzt, dessen Fuge nur wenige Millimeter dick ist. Ein solcher Mörtel kann keine Unebenheiten aufnehmen, und eine Bodenplatte ist nie millimetergenau eben. Deshalb bekommt die unterste Reihe eine Sonderrolle: Der Kimmstein sitzt in einem dickeren Bett aus Ausgleichsmörtel und wird darin exakt waagerecht ausgerichtet. Diese Reihe heißt Kimmschicht und ist die Bezugsebene für das gesamte Mauerwerk darüber.

    Fachgebiet

    Mauerwerksbau, erste Steinreihe über der Bodenplatte oder Kellerdecke.

    Typischer Wert

    Steinhöhe rund 6 bis 12 cm, Mörtelbett meist 1 bis 3 cm dick.

    Anderer Name

    Kimmschicht, Ausgleichsschicht, Höhenausgleichsstein, Iso-Kimmstein.

    Regelwerk

    Für die Abdichtung unter der Kimmschicht gilt DIN 18533 zur Abdichtung erdberührter Bauteile. Für das Mauerwerk selbst gelten Eurocode 6 und die Verarbeitungsvorgaben des Steinherstellers.

    Was ist ein Kimmstein und wo liegt die Kimmschicht?

    Der Name kommt aus dem Schiffbau. Die Kimm ist dort die Rundung zwischen Boden und Seitenwand des Rumpfes, also der Übergang von unten nach seitlich. Am Haus meint Kimm genau dasselbe: den Übergang von der waagerechten Bodenplatte zur aufgehenden Wand.

    Die Kimmschicht ist die erste durchgehende Steinreihe über der Bodenplatte oder über der Kellerdecke. Darunter liegt zuerst die Abdichtung, dann das Mörtelbett. Auf der Kimmschicht beginnt das eigentliche Mauerwerk, ab dort mit Dünnbettmörtel und ohne weitere Korrektur der Höhe.

    Kimmsteine gibt es in mehreren Höhen, meist zwischen etwa sechs und zwölf Zentimetern. Damit passt der Maurer die Schicht so an, dass die Oberkante der ersten Reihe genau im Planmaß liegt. So gehen Rohbaumaße, Türhöhen und Fensterbrüstungen später auf.

    Warum braucht die Bodenplatte einen Höhenausgleich?

    Eine betonierte Bodenplatte ist eben, aber nicht perfekt. Toleranzen von einem bis zwei Zentimetern über die Länge eines Hauses sind normal und auch zulässig. Genau daran scheitert Dünnbettmörtel, denn seine Fuge misst nur ein bis drei Millimeter.

    Ohne Ausgleich würde sich der Fehler nach oben fortsetzen und mit jeder Reihe größer werden. Am Ende stimmen weder die Höhe der Rohdecke noch die Öffnungsmaße. Der Kimmstein löst das in einem Arbeitsgang: Der Maurer nimmt den höchsten Punkt der Platte als Bezug, zieht dort das dünnste Bett und gleicht alle tieferen Stellen mit mehr Mörtel aus.

    Ausgerichtet wird mit Nivelliergerät oder Rotationslaser, nicht nach Augenmaß. Die fertige Kimmschicht ist die einzige Ebene im Rohbau, an der Unebenheiten noch ohne Aufwand verschwinden.

    Was ist ein Iso-Kimmstein und was bringt er?

    Am Wandfuß liegt eine bekannte Schwachstelle. Die Außenwand steht auf der Bodenplatte, und die Platte hat Kontakt zum Erdreich. Wärme aus dem Raum wandert deshalb über den Wandfuß nach unten und außen ab. Diese Stelle ist eine geometrische und materialbedingte Wärmebrücke zugleich.

    Der Iso-Kimmstein setzt genau dort an. Er besteht aus einem Material mit deutlich geringerer Wärmeleitfähigkeit als der übrige Wandbaustoff, oft aus Porenbeton, Schaumglas oder speziellem Leichtbeton. Weil er den Wärmefluss unterbricht, steigt die Oberflächentemperatur der Innenecke zwischen Wand und Estrich messbar an. Das senkt das Risiko von Kondensat und Schimmel in dieser Ecke.

    Wichtig ist die Tragfähigkeit. Ein Iso-Kimmstein muss die gesamte Wandlast tragen, deshalb entscheidet die zulässige Druckfestigkeit, ob er im konkreten Fall passt. Bei hohen Lasten aus mehrgeschossigen Wänden ist er nicht immer einsetzbar. Diese Prüfung gehört zur Statik und nicht auf die Baustelle.

    Welche Materialien gibt es und wie unterscheiden sie sich?

    MaterialStärkeGrenze
    KalksandsteinSehr hohe Druckfestigkeit, nimmt große Lasten aus mehrgeschossigen Wänden aufLeitet Wärme gut, deshalb ohne Zusatzmaßnahme eine Wärmebrücke am Wandfuß
    PorenbetonGeringe Wärmeleitfähigkeit, leicht zu bearbeiten, als Iso-Kimmstein verbreitetNiedrigere Druckfestigkeit, muss zur Last passen und bleibt feuchteempfindlich
    LeichtbetonGuter Kompromiss aus Tragfähigkeit und Dämmwirkung, formstabilSchwerer und teurer als Porenbeton, Auswahl je nach Rohdichteklasse
    SchaumglasSehr geringe Wärmeleitfähigkeit, wasserdicht und druckfestHöchster Materialpreis, meist nur bei hohen Anforderungen an die Bauphysik

    In der Praxis richtet sich die Wahl nach zwei Fragen: Wie viel Last kommt von oben, und wie streng ist die Vorgabe zur Wärmebrücke. Ein Reihenendhaus mit zwei Geschossen und guter Dämmung fährt meist mit einem Iso-Kimmstein aus Porenbeton oder Leichtbeton gut.

    Wie wird ein Kimmstein verarbeitet?

    1. Bodenplatte reinigen und den höchsten Punkt einmessen. Dieser Punkt bestimmt die Höhe der gesamten Schicht.
    2. Abdichtungsbahn ausrollen, an den Stößen überlappen und seitlich überstehen lassen.
    3. Ausgleichsmörtel abziehen, meist ein bis drei Zentimeter dick, an tieferen Stellen entsprechend mehr.
    4. Ecksteine setzen, ausrichten und eine Schnur zwischen den Ecken spannen.
    5. Steine dazwischen einlegen, mit dem Gummihammer auf Höhe klopfen und laufend mit der Wasserwaage prüfen.
    6. Ausrichtung abschließen, solange der Mörtel weich ist. Später sind Korrekturen nicht mehr möglich.

    Vier Fehler tauchen immer wieder auf. Ein zu dünnes Mörtelbett nimmt die Toleranz der Platte nicht auf. Fehlende Abdichtung unter der Schicht lässt Feuchte in die Wand steigen. Ein Iso-Kimmstein, der auf Verdacht ohne statischen Nachweis gesetzt wird, kann überlastet sein. Und offene Stoßfugen an dieser Stelle bilden später Luftundichtigkeiten, die beim Blower-Door-Test auffallen.

    Wie hängen Kimmschicht und Horizontalsperre zusammen?

    Beton und Mauerwerk saugen Wasser über die feinen Poren nach oben, ganz ohne Druck. Damit diese aufsteigende Feuchte nicht in die Wand gelangt, liegt zwischen Bodenplatte und erster Steinreihe eine Sperrschicht. Das ist die Horizontalsperre, meist eine Bitumen- oder Kunststoffbahn.

    Ihre Lage ist entscheidend: Sie gehört unter die Kimmschicht, nicht darüber. Wird sie darüber verlegt, steht der Kimmstein selbst dauerhaft in der Feuchte und gibt sie an das Mauerwerk weiter. Die Bahn muss außerdem an die Vertikalabdichtung des Sockels anschließen, sonst umgeht das Wasser die Sperre seitlich.

    Am Rand wird die Bahn ein Stück überstehen gelassen, damit später der Anschluss möglich ist. Wer sie beim Mauern bündig abschneidet, macht diesen Anschluss unmöglich und die Sperre wirkungslos.

    Häufige Fragen zum Kimmstein

    Ist ein Kimmstein bei jedem Haus nötig?

    Bei Mauerwerk im Dünnbettverfahren praktisch immer, weil die Bodenplatte nie ausreichend eben ist. Nur bei dickem Normalmörtel in allen Fugen lässt sich der Ausgleich über die ersten Reihen verteilen.

    Wie dick darf das Mörtelbett darunter sein?

    Üblich sind ein bis drei Zentimeter. Größere Dicken sind möglich, brauchen aber einen dafür zugelassenen Ausgleichsmörtel. Die Grenze legt der Hersteller in seinen Verarbeitungsunterlagen fest.

    Kann ich Kimmsteine selbst setzen?

    Technisch schon, sinnvoll selten. Die Schicht bestimmt die Höhe und Rechtwinkligkeit des ganzen Hauses. Ein Fehler von einem Zentimeter zieht sich durch jede Reihe bis unter das Dach.

    Was kostet ein Iso-Kimmstein im Vergleich?

    Er liegt deutlich über einem normalen Stein, betrifft aber nur eine einzige Reihe. Bezogen auf die Gesamtkosten des Rohbaus bleibt der Aufpreis klein gegenüber der Wirkung am Wandfuß.

    Was passiert ohne Abdichtung unter der Kimmschicht?

    Feuchte steigt kapillar in die Wand. Sichtbar wird das erst nach Monaten durch dunkle Sockelbereiche, abplatzenden Putz und Salzausblühungen. Nachträglich hilft dann nur eine eingebaute Horizontalsperre.

    Fachlich geprüfte Begriffserklärung. Maße und Materialangaben sind Richtwerte, verbindlich sind die Verarbeitungsvorgaben des Steinherstellers und die Statik.

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    Estrich ist die Schicht, die man nie sieht und die trotzdem über fast alles entscheidet: über die Ebenheit des Bodens, über den Trittschall in der Wohnung darunter, über die Funktion der Fußbodenheizung – und über den Bauzeitplan, weil er trocknen muss.

    Die Estricharten

    ArtEigenschaftenBelegreif nach
    Zementestrichrobust, feuchtebeständig, Standard im Nassbereich4 bis 12 Wochen
    Calciumsulfat- / Anhydritestrichfließfähig, sehr eben, gute Wärmeleitung, nicht für Dauernässe2 bis 6 Wochen
    Trockenestrich (Platten)keine Trocknungszeit, geringes Gewicht, ideal für Altbau und Holzbalkendeckensofort
    Gussasphaltestrichfugenlos, sofort belastbar, wird heiß eingebaut1 Tag

    Die Aufbauarten

    • Verbundestrich: direkt und fest mit der Rohdecke verbunden, dünn (2 bis 5 cm), hoch belastbar. Kein Schall- oder Wärmeschutz. Typisch in Kellern und Garagen.
    • Estrich auf Trennschicht: durch eine Folie von der Decke getrennt, ab etwa 3,5 cm. Verhindert Risse durch unterschiedliches Arbeiten von Decke und Estrich.
    • Schwimmender Estrich: der Regelfall im Wohnungsbau. Er liegt auf Dämmung und berührt weder Decke noch Wände – nur so funktioniert Trittschallschutz. Der Randdämmstreifen ist dabei kein Detail, sondern Voraussetzung.
    • Heizestrich: schwimmender Aufbau mit eingelegten Heizrohren, mindestens 45 Millimeter über dem Rohr.
    Der häufigste Ausführungsfehler ist eine Schallbrücke: Wenn der Estrich an einer Stelle die Wand oder ein Rohr berührt, überträgt sich Trittschall trotz korrekter Dämmung. Deshalb wird der Randdämmstreifen erst nach dem Verlegen des Bodenbelags abgeschnitten – nie vorher.

    Trocknung und Belegreife

    Zwei Dinge werden regelmäßig verwechselt: Begehbarkeit und Belegreife. Begehbar ist Zementestrich nach zwei bis drei Tagen, belastbar nach etwa einer Woche. Belegreif – also so trocken, dass ein Bodenbelag aufgebracht werden darf – ist er sehr viel später.

    Die zulässige Restfeuchte hängt vom Belag ab und wird per CM-Messung ermittelt. Zu früh belegter Estrich ist die häufigste Ursache für sich lösende Fliesen, wellige Parkettböden und Schimmel unter dampfdichten Belägen.

    Funktionsheizen bei Fußbodenheizung

    Vor dem Belegen muss ein Heizestrich aufgeheizt werden – nach einem festen Protokoll mit stufenweiser Temperaturerhöhung und anschließender Absenkung. Das dient zwei Zwecken: Es beschleunigt die Trocknung und weist nach, dass die Heizung funktioniert. Das Protokoll gehört zur Dokumentation und ist bei späteren Streitigkeiten über Bodenschäden ein zentrales Beweismittel.

    Für die Sanierungsplanung wichtig

    1. Aufbauhöhe prüfen: Ein schwimmender Estrich mit Dämmung braucht 8 bis 12 Zentimeter. In Altbauten ist diese Höhe oft nicht vorhanden – dann kommt Trockenestrich zum Einsatz.
    2. Deckentragfähigkeit klären, besonders bei Holzbalkendecken. Nassestrich bringt erhebliches Gewicht ein.
    3. Trocknungszeit in den Bauzeitplan einrechnen, nicht hoffen. Sie ist der längste Einzelposten in vielen Sanierungen.
    4. Schnellestrich kostet mehr, verkürzt die Wartezeit aber auf wenige Tage – bei bewohnten Sanierungen oft die günstigere Gesamtrechnung.
    Wie lange muss Estrich trocknen?

    Als Faustregel gilt bei Zementestrich eine Woche je Zentimeter Dicke bis etwa vier Zentimeter, danach deutlich länger. Ein 6 cm starker Estrich braucht damit oft acht bis zwölf Wochen bis zur Belegreife.

    Wie wird die Belegreife geprüft?

    Mit der CM-Messung: Eine Materialprobe wird mit Calciumcarbid im Druckbehälter gemessen. Feuchtemessgeräte mit Elektroden liefern nur Anhaltswerte und reichen als Nachweis nicht aus.

    Welcher Estrich für das Bad?

    Zementestrich, da er feuchtigkeitsunempfindlich ist. Anhydritestrich auf Calciumsulfatbasis quillt bei dauerhafter Nässe und ist für Nassräume ohne besondere Ausführung nicht geeignet.