Kniestock
Der Kniestock ist die niedrige Außenwand im Dachgeschoss, die auf der obersten Geschossdecke steht und die Dachkonstruktion so weit anhebt, dass unter der Schräge nutzbarer Raum entsteht.
Ohne Kniestock trifft die Dachschräge direkt auf den Fußboden. Der Raum darunter beginnt dann bei null Zentimetern Höhe und ist an der Wand nicht nutzbar. Der Kniestock hebt diesen Ansatzpunkt an, gemessen von der Oberkante der Rohdecke bis zur Oberkante der Fußpfette, auf der die Sparren aufliegen. Weil jeder Zentimeter Kniestock auch die Gebäudehöhe erhöht, begrenzen Bebauungspläne und Landesbauordnungen ihn häufig.
Hochbau und Dachkonstruktion, im Neubau meist Sache der Werkplanung.
0 bis 150 cm. Im Neubau sind rund 100 cm der gängigste Wert.
Drempel, regional auch Trempel, Kniewand oder Wechselbalken.
Für die anrechenbare Fläche gilt die Wohnflächenverordnung, für die zulässige Höhe die Landesbauordnung und der Bebauungsplan deiner Gemeinde.
Was ist ein Kniestock und wo sitzt er?
Der Kniestock ist ein echtes Stück Wand. Er steht auf der Decke über dem obersten Vollgeschoss und läuft rundum an den Traufseiten des Hauses entlang. Oben trägt er die Fußpfette, das waagerechte Holz, auf dem die Sparren des Daches aufliegen. Er ist damit kein Zierelement, sondern ein tragendes Bauteil.
Gemauert wird er meist aus demselben Material wie die Außenwand darunter, also aus Ziegel, Kalksandstein oder Porenbeton. Im Holzbau übernimmt eine Ständerkonstruktion dieselbe Aufgabe. Wichtig ist die Verankerung: Die Sparren drücken das Dach nicht nur nach unten, sie schieben den Kniestock auch nach außen. Diese Horizontalkraft nimmt in der Regel ein Ringanker im Kopf der Wand auf.
Von innen siehst du den Kniestock als senkrechtes Wandstück zwischen Fußboden und dem Beginn der Schräge. Genau dort stehen Betten, Schränke und Kommoden. Die Höhe dieses Streifens entscheidet, ob das Dachgeschoss ein vollwertiges Zimmer wird oder ein Raum, in dem du dich ständig bückst.
Was ist der Unterschied zwischen Kniestock und Drempel?
Es gibt keinen. Kniestock und Drempel bezeichnen dasselbe Bauteil, die Wörter unterscheiden sich nur regional. Im Süden und in Baubeschreibungen von Fertighausherstellern liest du meist Kniestock, im Norden und Westen häufiger Drempel. Beide Begriffe tauchen auch in Bebauungsplänen auf, dort dann mit einer Maßangabe in Metern.
Regional kommen weitere Namen dazu: Trempel, Kniewand oder Aufkniestock. In alten Zimmererbüchern findest du für den Balken am Fuß der Konstruktion auch die Bezeichnung Wechselbalken. Wenn in Unterlagen zwei Begriffe nebeneinander stehen, geht es fast immer nur um Sprachgewohnheit und nicht um zwei verschiedene Bauteile. Bei Unklarheit hilft ein Blick in den Schnitt der Planzeichnung, dort ist die Maßkette eindeutig.
Wie hoch ist ein Kniestock üblicherweise?
Die Spanne reicht von null bis etwa 150 Zentimetern. Ein Dach ohne Kniestock heißt Nullkniestock, die Schräge beginnt dann auf dem Fußboden. Ältere Häuser haben oft 30 bis 60 Zentimeter, weil die Dachräume ursprünglich nur als Speicher gedacht waren. Im heutigen Neubau sind 100 Zentimeter der übliche Wert, weil damit an der Wand noch kein völlig verlorener Streifen entsteht.
Ab etwa 130 Zentimetern lassen sich normale Fenster in die Wand setzen statt teurer Dachflächenfenster. Ab 200 Zentimetern spricht niemand mehr von einem Kniestock, dann ist es ein Vollgeschoss mit Dach darüber, und das Baurecht bewertet es auch so. Genau an dieser Grenze wird es teuer, weil ein zusätzliches Vollgeschoss oft gar nicht zulässig ist.
Was schreibt die Landesbauordnung vor?
Die Landesbauordnungen legen keine Kniestockhöhe fest. Sie regeln zwei Dinge, die indirekt darauf wirken. Erstens die lichte Raumhöhe, die ein Aufenthaltsraum braucht. Je nach Bundesland liegt sie zwischen 2,20 und 2,40 Metern, und im Dachgeschoss muss diese Höhe meist nur über der Hälfte der Grundfläche erreicht werden. Zweitens die Frage, ab wann ein Dachgeschoss als Vollgeschoss zählt. Auch das definiert jedes Land eigenständig.
Die harte Grenze steht meistens woanders, nämlich im Bebauungsplan. Dort können eine maximale Firsthöhe, eine maximale Traufhöhe oder direkt eine Kniestockhöhe festgesetzt sein. Die Traufhöhe ist der kritische Wert, denn sie wächst mit jedem Zentimeter Kniestock mit. Prüfe deshalb vor jeder Planung den Bebauungsplan deines Grundstücks, nicht nur die Bauordnung des Landes.
Wie viel Wohnfläche bringt jeder Zentimeter?
Die Wohnflächenverordnung rechnet Flächen unter Dachschrägen gestaffelt an: unter einem Meter lichter Höhe gar nicht, zwischen einem und zwei Metern zur Hälfte, ab zwei Metern voll. Der Kniestock verschiebt diese drei Zonen zur Außenwand hin. Bei einem Dach mit 45 Grad Neigung gilt eine einfache Regel: Ein Meter waagerecht nach innen bedeutet einen Meter mehr Höhe.
| Kniestock | Streifen ohne Anrechnung | Halb anrechenbar | Volle Höhe ab |
|---|---|---|---|
| 0 cm | 1,00 m | 1,00 m | 2,00 m von der Außenwand |
| 50 cm | 0,50 m | 1,00 m | 1,50 m von der Außenwand |
| 100 cm | keiner | 1,00 m | 1,00 m von der Außenwand |
| 150 cm | keiner | 0,50 m | 0,50 m von der Außenwand |
| 200 cm | keiner | keiner | direkt an der Außenwand |
Werte für ein Satteldach mit 45 Grad, gemessen ab Oberkante Fertigfußboden. Bei flacherer Neigung werden alle Streifen breiter, bei steilerem Dach schmaler. Rechnerisch bringt der Sprung von null auf 100 Zentimeter Kniestock rund einen Quadratmeter anrechenbare Fläche je laufendem Meter Traufe. Ein Haus mit zehn Metern Länge und zwei Traufseiten gewinnt so etwa 20 Quadratmeter Wohnfläche, ohne dass die Grundfläche wächst.
Lässt sich ein Kniestock nachträglich erhöhen?
Technisch ja, günstig ist es nicht. Das Dach muss dafür abgetragen oder angehoben werden. Beim häufigeren Weg wird die komplette Dachkonstruktion abgebaut, die Wand aufgemauert und ein neuer Dachstuhl gesetzt. Beim Anheben bleibt der Dachstuhl als Ganzes erhalten und wird mit Pressen angehoben, was Spezialtechnik verlangt und nur bei intakten, verbandsteifen Konstruktionen funktioniert.
Baurechtlich ist der Eingriff fast immer genehmigungspflichtig, weil sich Traufhöhe, Gebäudehöhe und oft auch die Abstandsflächen zum Nachbargrundstück ändern. Steht im Bebauungsplan eine feste Traufhöhe, brauchst du eine Befreiung, und die kann versagt werden. Kläre das über eine Bauvoranfrage, bevor du einen Zimmerer beauftragst.
Praktisch kommen weitere Punkte dazu: Dacheindeckung, Dämmung, Elektrik und Fenster sind danach neu zu machen. Wer ohnehin eine neue Dacheindeckung braucht, kann beides zusammenlegen und spart das doppelte Gerüst.
Was macht der Kniestock mit der Dämmung?
Am Fuß des Kniestocks treffen drei Bauteile aufeinander: die Außenwand des Geschosses darunter, der Rand der Geschossdecke und die Dämmebene des Daches. Diese Stelle heißt Fußpunkt und gehört zu den klassischen Wärmebrücken am Haus. Läuft die Betondecke bis in die Außenwand hinein, leitet sie Wärme nach außen wie ein Kühlkörper.
Entscheidend ist, dass die Dämmung durchläuft. Die Dämmung zwischen den Sparren muss lückenlos an die Dämmung des Kniestocks anschließen, und diese wiederum an die Wanddämmung darunter. Bricht die Ebene am Deckenrand ab, kühlt die innere Ecke aus. Dort liegt dann die niedrigste Oberflächentemperatur im ganzen Raum, und genau dort setzt sich als Erstes Schimmel an.
Zusätzlich braucht der Fußpunkt eine saubere Luftdichtheitsebene. Die Dampfbremse aus der Dachschräge wird auf den Kniestock geführt und dort verklebt. Unsaubere Anschlüsse an dieser Stelle sind ein häufiger Befund beim Blower-Door-Test, weil an der Wand nach dem Innenausbau niemand mehr herankommt.
Häufige Fragen zum Kniestock
Wie wird die Kniestockhöhe gemessen?
Gemessen wird von der Oberkante der Rohdecke bis zur Oberkante der Fußpfette. Der Fußbodenaufbau zählt nicht mit, deshalb ist der Raum später rund zehn bis fünfzehn Zentimeter niedriger als der Planwert.
Ab welcher Höhe wird das Dachgeschoss zum Vollgeschoss?
Das definiert jedes Bundesland eigenständig über die lichte Höhe und den Anteil der Fläche, der diese Höhe erreicht. Ein Kniestock ab etwa zwei Metern kippt die Bewertung fast immer zum Vollgeschoss.
Braucht ein Kniestock einen Ringanker?
In der Regel ja. Die Sparren drücken die Wand nach außen, und diese Kraft nimmt ein Ringanker im Wandkopf auf. Ohne ihn drohen waagerechte Risse im oberen Bereich des Mauerwerks.
Was kostet ein höherer Kniestock im Neubau?
Der Aufpreis bleibt im Neubau moderat, weil nur Mauerwerk und Dämmung dazukommen. Im Verhältnis zur gewonnenen Wohnfläche ist ein Kniestock von etwa einem Meter meist die günstigste Fläche am ganzen Haus.
Kann ich ein normales Fenster in den Kniestock setzen?
Ab ungefähr 130 Zentimetern Höhe passt ein senkrechtes Fenster hinein. Darunter bleiben nur Dachflächenfenster oder Gauben, weil Brüstungshöhe und Fensterelement sonst nicht mehr untergebracht werden.
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