Kategorie: Finanzierung & Kredit

  • Tilgung: Bedeutung, Zins-Unterschied und Anfangstilgung

    Tilgung: Bedeutung, Zins-Unterschied und Anfangstilgung

    Taschenrechner, Kreditunterlagen und Stift auf einem Schreibtisch
    Taschenrechner, Kreditunterlagen und Stift auf einem Schreibtisch

    Tilgung ist der Teil deiner Kreditrate, der die Restschuld tatsächlich verringert. Hier erfährst du kompakt, was der Begriff bedeutet, wie sich Zins und Tilgung unterscheiden und warum die anfängliche Tilgung über die gesamte Laufzeit so wichtig ist.

    Tilgung bezeichnet den Teil deiner monatlichen Kreditrate, mit dem du die eigentliche Kreditschuld zurückzahlst – im Unterschied zum Zins, der nur die Kosten für die Nutzung des geliehenen Geldes abdeckt. Hier erfährst du kompakt, was der Begriff bedeutet, wie sich Zins und Tilgung unterscheiden und warum die anfängliche Tilgung deine Zinskosten über die gesamte Laufzeit maßgeblich beeinflusst.

    Was ist Tilgung? Definition

    Unter Tilgung versteht man im Finanzwesen die planmäßige Rückzahlung einer aufgenommenen Kreditsumme, meist in Form regelmäßiger Raten. Bei den meisten Krediten – ob Ratenkredit, Autofinanzierung oder Baufinanzierung – setzt sich die monatliche Rate aus zwei Bestandteilen zusammen: dem Tilgungsanteil, der die Restschuld reduziert, und dem Zinsanteil, den die Bank für die Bereitstellung des Kapitals berechnet. Wie hoch der Tilgungsanteil an der Gesamtrate ausfällt, hängt vom vereinbarten Tilgungssatz, der Zinshöhe und der gewählten Kreditart ab.

    Besonders bei Baufinanzierungen wird die Tilgung meist als jährlicher Prozentsatz der ursprünglichen Darlehenssumme angegeben, etwa zwei oder drei Prozent. Dieser Satz bestimmt zusammen mit dem Sollzins die Höhe der monatlichen Rate und damit auch, wie schnell die Restschuld sinkt und wie lange du insgesamt für die vollständige Rückzahlung brauchst. Anders als bei einem klassischen Ratenkredit, bei dem oft eine feste Laufzeit vereinbart wird, ergibt sich die Laufzeit einer Baufinanzierung meist erst aus dem Zusammenspiel von Zinssatz und gewähltem Tilgungssatz.

    Zins vs. Tilgung: Der Unterschied einfach erklärt

    Zins und Tilgung werden häufig verwechselt, erfüllen im Kredit aber völlig unterschiedliche Aufgaben. Der Zins ist die Vergütung, die du der Bank für das geliehene Kapital zahlst – er verändert nicht die Höhe deiner Restschuld, sondern ist gewissermaßen die Miete für das geliehene Geld. Die Tilgung dagegen reduziert direkt die offene Kreditsumme. Beide Anteile zusammen ergeben bei den meisten Baufinanzierungen die sogenannte Annuität – eine über die gesamte Zinsbindung gleichbleibende monatliche Rate, bei der sich lediglich das Verhältnis zwischen Zins- und Tilgungsanteil im Zeitverlauf verschiebt.

    Zu Beginn der Laufzeit ist die Restschuld noch hoch, weshalb ein großer Teil der Rate als Zins anfällt und nur ein kleiner Teil tatsächlich tilgt. Mit jeder gezahlten Rate sinkt die Restschuld, wodurch der Zinsanteil kontinuierlich kleiner und der Tilgungsanteil größer wird – bei gleichbleibender Gesamtrate. Gegen Ende der Kreditlaufzeit besteht die Rate deshalb fast ausschließlich aus Tilgung.

    Anfängliche Tilgung: Warum sie so wichtig ist

    Die anfängliche Tilgung – oft auch Anfangstilgung genannt – gibt an, mit welchem Prozentsatz der Darlehenssumme du im ersten Jahr der Finanzierung startest, meist zusätzlich zum Sollzins angegeben, etwa „Zins 3,5 Prozent plus 2 Prozent Tilgung“. Sie entscheidet maßgeblich darüber, wie schnell die Restschuld sinkt und wie viele Zinsen du über die gesamte Laufzeit insgesamt zahlst. Wählst du eine niedrige Anfangstilgung von beispielsweise einem Prozent, sinkt zwar deine monatliche Rate, gleichzeitig verlängert sich aber die Laufzeit erheblich und die Gesamtzinskosten steigen spürbar.

    Höhere Anfangstilgung wählen

    Schon ein Prozentpunkt mehr Tilgung verkürzt die Laufzeit oft um mehrere Jahre und spart spürbar Zinsen.

    Sondertilgungen nutzen

    Außerplanmäßige Zahlungen reduzieren die Restschuld zusätzlich und beschleunigen die Rückzahlung deutlich.

    Zinsbindung im Blick behalten

    Am Ende der Zinsbindung bestimmt die verbliebene Restschuld, wie hoch die Anschlussfinanzierung ausfällt.

    Wie viel eine bestimmte Tilgungsrate am Ende tatsächlich kostet, lässt sich am besten anhand des effektiven Jahreszinses vergleichen, da dieser neben dem Sollzins auch weitere Kostenbestandteile berücksichtigt und Angebote unterschiedlicher Banken realistisch vergleichbar macht.

    Tilgungssatz und Laufzeit: Ein Blick auf die Zahlen

    Wie stark sich der Tilgungssatz auf die Laufzeit auswirkt, zeigt ein einfacher Vergleich bei einem angenommenen Sollzins von rund 3,5 Prozent. Je höher der anfängliche Tilgungssatz, desto kürzer die Zeit bis zur vollständigen Rückzahlung – auch wenn sich dadurch die monatliche Belastung erhöht.

    Anfänglicher TilgungssatzUngefähre Laufzeit bei 3,5 % Zins
    1 %ca. 34 Jahre
    2 %ca. 24 Jahre
    3 %ca. 19 Jahre
    4 %ca. 16 Jahre
    5 %ca. 13 Jahre

    Die Tabelle zeigt nur grobe Richtwerte, denn Zinssätze können sich nach Ablauf der Zinsbindung ändern, und die tatsächliche Laufzeit hängt auch von Sondertilgungen oder späteren Ratenanpassungen ab. Für die konkrete Planung solltest du dir deshalb immer einen individuellen Tilgungsplan von deiner Bank erstellen lassen, der Zins- und Tilgungsanteil für jedes einzelne Jahr der Finanzierung ausweist. So siehst du auf einen Blick, wie sich die Restschuld von Jahr zu Jahr verringert und ab wann der Tilgungsanteil den Zinsanteil in der Rate übersteigt.

    Ein Tilgungsplan zeigt, wie sich Zins- und Tilgungsanteil über die Kreditlaufzeit verschieben.

    Fazit zu Tilgung

    Tilgung ist der Teil deiner Kreditrate, der tatsächlich die Restschuld verringert, während der Zins die Kosten für das geliehene Kapital abdeckt. Wer von Anfang an eine höhere Tilgungsrate wählt, zahlt zwar eine höhere monatliche Rate, spart dafür aber über die gesamte Laufzeit erheblich an Zinsen und ist deutlich schneller schuldenfrei. Bevor du dich für einen Tilgungssatz entscheidest, lohnt sich deshalb ein realistischer Blick auf dein monatliches Budget, damit die Rate auch bei steigenden Lebenshaltungskosten dauerhaft tragbar bleibt.

    Kurz erklärt: Tilgung ist der Teil der Kreditrate, der die Restschuld reduziert – je höher der anfängliche Tilgungssatz, desto kürzer die Laufzeit und desto geringer die Gesamtzinskosten.
    Was bedeutet eine Tilgung von 2 Prozent?

    Eine Tilgung von 2 Prozent bedeutet, dass du im ersten Jahr der Finanzierung 2 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme zurückzahlst, zusätzlich zu den anfallenden Zinsen.

    Wie berechnet man die monatliche Tilgungsrate?

    Du addierst Sollzins und Tilgungssatz, multiplizierst den Prozentsatz mit der Darlehenssumme und teilst das Ergebnis durch zwölf Monate, um die monatliche Rate aus Zins und Tilgung zu erhalten.

    Ist eine hohe oder niedrige Tilgung besser?

    Eine höhere Tilgung verkürzt die Laufzeit und senkt die Gesamtzinskosten, erhöht aber die monatliche Belastung – die passende Höhe hängt deshalb von deinem verfügbaren Budget ab.

    Was passiert am Ende der Zinsbindung mit der Restschuld?

    Die zu diesem Zeitpunkt verbliebene Restschuld muss über eine Anschlussfinanzierung weiter getilgt werden, meist zu den dann aktuellen Zinskonditionen.

  • Effektiver Jahreszins: Was bedeutet das eigentlich?

    Effektiver Jahreszins: Was bedeutet das eigentlich?

    Kreditvertrag mit Taschenrechner und Euro-Geldscheinen auf einem Schreibtisch als Sinnbild für den effektiven Jahreszins
    Kreditvertrag mit Taschenrechner und Euro-Geldscheinen auf einem Schreibtisch als Sinnbild für den effektiven Jahreszins

    Zwei Kreditangebote, zwei Zinssätze – und trotzdem ist nicht sofort klar, welches wirklich günstiger ist. Der effektive Jahreszins schafft hier Klarheit. Wir erklären dir, was sich hinter der Kennzahl verbirgt, wie sie sich vom Sollzins unterscheidet und was du beim Kreditvergleich beachten solltest.

    Der effektive Jahreszins ist die Kennzahl, die dir zeigt, was ein Kredit dich wirklich pro Jahr kostet. Er fasst den reinen Sollzins und sämtliche Nebenkosten wie Bearbeitungsgebühren oder Kontoführungsgebühren zu einem einzigen Prozentsatz zusammen und macht so unterschiedliche Kreditangebote überhaupt erst vergleichbar.

    Effektiver Jahreszins: was die Kennzahl bedeutet

    Während der Sollzins nur die reinen Zinskosten für die geliehene Summe abbildet, bezieht der effektive Jahreszins alle Kosten mit ein, die während der Kreditlaufzeit tatsächlich anfallen. Dazu zählen neben dem Sollzins auch Gebühren, die Auszahlungsweise sowie der Rhythmus der monatlichen Raten. Weil diese Faktoren die tatsächliche Belastung spürbar verändern können, ist der effektive Jahreszins die realistischere und ehrlichere Größe, wenn du wissen willst, was ein Darlehen dich am Ende kostet.

    In Deutschland sind Banken durch die Preisangabenverordnung (PAngV) verpflichtet, den effektiven Jahreszins bei jedem Kreditangebot auszuweisen. Das gilt für Ratenkredite ebenso wie für Baufinanzierungen oder Autokredite. Ohne diese gesetzliche Vorgabe könnten Anbieter mit besonders niedrigen Sollzinsen werben, während versteckte Gebühren die tatsächlichen Kosten in die Höhe treiben – der Effektivzins verhindert genau das.

    Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins

    Der Sollzins ist der Zinssatz, der auf die tatsächlich in Anspruch genommene Kreditsumme berechnet wird. Er ist meist die Zahl, mit der Banken in der Werbung locken, weil sie auf den ersten Blick niedriger wirkt als der effektive Jahreszins. Der Effektivzins liegt in der Regel etwas darüber, weil er zusätzliche Kostenbestandteile einrechnet, die der Sollzins außen vor lässt.

    Wie genau ein Kredit zurückgezahlt wird, wirkt sich ebenfalls auf den effektiven Jahreszins aus. Wird zum Beispiel schneller getilgt oder ändert sich der Rhythmus der Raten, verschiebt sich auch die tatsächliche Zinsbelastung über die Laufzeit. Was der Begriff Tilgung genau bedeutet und wie er die Gesamtkosten deines Kredits beeinflusst, erfährst du ausführlich in unserem Beitrag zur Bedeutung der Tilgung.

    Gesetzlich vorgeschrieben

    Banken müssen den effektiven Jahreszins bei jedem Kreditangebot ausweisen – das schreibt die Preisangabenverordnung vor.

    Einzige verlässliche Vergleichsgröße

    Nur der Effektivzins macht Kreditangebote verschiedener Banken wirklich vergleichbar.

    Nicht mit dem Sollzins verwechseln

    Ein niedriger Sollzins kann durch hohe Gebühren am Ende trotzdem teurer sein.

    Was im effektiven Jahreszins alles steckt

    Neben dem Sollzins fließen in den effektiven Jahreszins mehrere weitere Kostenpunkte ein: Bearbeitungsgebühren, Kontoführungsgebühren für das Kreditkonto, eventuelle Vermittlungsprovisionen sowie der Effekt, der entsteht, wenn Zinsen monatlich statt jährlich berechnet werden. Auch der Auszahlungsbetrag spielt eine Rolle – wird nicht die volle Kreditsumme ausgezahlt, sondern ein Disagio einbehalten, steigt der effektive Jahreszins entsprechend an, obwohl der Sollzins gleich bleibt.

    Bei den meisten Ratenkrediten und Baufinanzierungen handelt es sich um ein Annuitätendarlehen, bei dem die monatliche Rate über die gesamte Laufzeit konstant bleibt, sich das Verhältnis von Zins- und Tilgungsanteil innerhalb dieser Rate aber jedes Jahr verschiebt. Wie genau das funktioniert und warum es den effektiven Jahreszins beeinflusst, liest du in unserem Ratgeber zur Bedeutung der Annuität.

    Warum sich der Vergleich lohnt

    Ein Beispiel zeigt, wie trügerisch der Sollzins allein sein kann: Bank A bietet einen Kredit mit 3,5 Prozent Sollzins, verlangt aber eine Bearbeitungsgebühr, sodass sich ein effektiver Jahreszins von 3,9 Prozent ergibt. Bank B wirbt mit 3,7 Prozent Sollzins, verzichtet dafür komplett auf Zusatzkosten und kommt so auf einen effektiven Jahreszins von nur 3,75 Prozent. Wer sich allein am Sollzins orientiert, würde Bank A wählen – tatsächlich ist aber das Angebot von Bank B günstiger.

    Solche Unterschiede fallen besonders bei größeren Kreditsummen und langen Laufzeiten ins Gewicht, etwa bei einer Baufinanzierung über mehrere Hunderttausend Euro. Schon wenige Zehntel Prozentpunkte beim effektiven Jahreszins können hier über die gesamte Laufzeit einen Unterschied von mehreren Tausend Euro ausmachen. Deshalb solltest du bei jedem Kreditvergleich immer den effektiven Jahreszins heranziehen und nicht nur den beworbenen Sollzins.

    Erst der effektive Jahreszins zeigt dir, welches Kreditangebot tatsächlich günstiger ist.

    Kurz erklärt: Der effektive Jahreszins fasst Sollzins und alle Nebenkosten in einer einzigen Prozentzahl zusammen und ist damit die einzige Größe, mit der du Kreditangebote seriös vergleichen kannst.

    Sollzins vs. Effektivzins im Überblick & Fazit

    Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen Sollzins und effektivem Jahreszins noch einmal kompakt zusammen:

    MerkmalSollzinsEffektiver Jahreszins
    EnthältNur die reinen ZinskostenZinsen plus alle Nebenkosten
    Berücksichtigt GebührenNeinJa
    Gesetzlich vorgeschriebenNeinJa (laut PAngV)
    Relevant fürWerbe-Angaben der BankEchten Kreditvergleich

    Der effektive Jahreszins ist die verlässlichste Kennzahl, wenn du Kreditangebote vergleichst, denn er bezieht sämtliche Kostenbestandteile mit ein und lässt sich nicht durch einen niedrig beworbenen Sollzins schönreden. Achte bei deinem nächsten Kreditvergleich also gezielt auf diesen Wert, nicht nur auf den zuerst genannten Zinssatz – so triffst du eine fundierte Entscheidung und vermeidest teure Überraschungen.

    Ist der effektive Jahreszins immer höher als der Sollzins?

    In der Regel ja, weil der Effektivzins zusätzliche Kosten wie Gebühren einbezieht. Nur in seltenen Fällen ohne Zusatzkosten und mit bestimmten Zahlungsrhythmen können beide Werte fast identisch ausfallen.

    Warum unterscheiden sich Sollzins und Effektivzins bei manchen Krediten kaum?

    Wenn ein Anbieter auf Bearbeitungsgebühren verzichtet und Zinsen jährlich statt monatlich berechnet, liegen Sollzins und effektiver Jahreszins näher beieinander als bei Angeboten mit vielen Zusatzkosten.

    Muss der effektive Jahreszins in jedem Kreditangebot angegeben werden?

    Ja, die Preisangabenverordnung verpflichtet Banken in Deutschland dazu, den effektiven Jahreszins bei Ratenkrediten, Baufinanzierungen und anderen Verbraucherkrediten auszuweisen.

    Was bedeutet ein niedriger effektiver Jahreszins für die monatliche Rate?

    Ein niedrigerer effektiver Jahreszins bedeutet bei gleicher Kreditsumme und Laufzeit meist eine geringere monatliche Rate oder eine schnellere Tilgung, weil weniger Geld für Zinsen und Gebühren aufgewendet werden muss.

  • Annuität: Bedeutung, gleichbleibende Rate und Tilgungsverlauf

    Annuität: Bedeutung, gleichbleibende Rate und Tilgungsverlauf

    Taschenrechner, Hausmodell und Finanzierungsunterlagen auf einem Schreibtisch
    Taschenrechner, Hausmodell und Finanzierungsunterlagen auf einem Schreibtisch

    Eine Annuität ist die gleichbleibende Rate, mit der du ein Annuitätendarlehen über die gesamte Zinsbindung zurückzahlst. Hier erfährst du kompakt, was der Begriff bedeutet und warum sich Zins- und Tilgungsanteil darin ständig verschieben.

    Eine Annuität ist die feste, wiederkehrende Zahlung, mit der du ein Annuitätendarlehen über einen bestimmten Zeitraum zurückzahlst. Sie setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: einem Zinsanteil, der die Nutzung des geliehenen Kapitals vergütet, und einem Tilgungsanteil, der die Restschuld verringert. Das Besondere daran: Die Höhe der Rate selbst bleibt über die vereinbarte Zinsbindung hinweg konstant, während sich das Verhältnis der beiden Bestandteile im Hintergrund kontinuierlich verschiebt.

    Was ist eine Annuität? Definition

    Der Begriff „Annuität“ leitet sich vom lateinischen Wort „annus“ für „Jahr“ ab und bezeichnet ursprünglich eine jährliche Zahlung. In der modernen Baufinanzierung und bei Ratenkrediten ist damit meist die monatliche Rate gemeint, die du an deine Bank überweist. Diese Rate wird bei Vertragsabschluss so berechnet, dass sie über die gesamte Zinsbindungsfrist unverändert bleibt, unabhängig davon, wie sich die Restschuld im Laufe der Zeit entwickelt. Genau diese Konstruktion gibt dem sogenannten Annuitätendarlehen seinen Namen – der mit Abstand häufigsten Form der Immobilienfinanzierung in Deutschland.

    Wichtig ist dabei die Unterscheidung zur reinen Tilgung: Die Annuität ist die Gesamtrate, die Tilgung ist nur der Teil davon, der tatsächlich die Schuld reduziert. Wer beide Begriffe verwechselt, unterschätzt oft, wie viel vom monatlichen Betrag anfangs tatsächlich in die Zinszahlung fließt statt in den Vermögensaufbau.

    Die gleichbleibende Rate: warum sie sich nicht ändert

    Der große Vorteil eines Annuitätendarlehens liegt in seiner Planbarkeit. Weil die monatliche Rate über die gesamte Zinsbindung konstant bleibt, weißt du von Anfang an genau, mit welcher Belastung du kalkulieren musst – egal ob im ersten oder im letzten Jahr der Laufzeit. Das unterscheidet die Annuität deutlich von einem klassischen Tilgungsdarlehen, bei dem die Tilgungsrate über die Laufzeit gleich bleibt, die Gesamtrate aber sinkt, weil der Zinsanteil mit fallender Restschuld kleiner wird.

    Möglich wird die gleichbleibende Rate durch eine mathematische Anpassung: Sinkt der Zinsanteil, weil die Restschuld kleiner wird, steigt im gleichen Maß der Tilgungsanteil, damit die Summe aus beiden konstant bleibt. Die Bank berechnet dazu bei Vertragsabschluss einen Tilgungsplan, der exakt festlegt, wie sich diese beiden Anteile Monat für Monat verändern.

    Verschiebung: Zinsanteil sinkt, Tilgungsanteil steigt

    Zu Beginn der Laufzeit ist die Restschuld noch hoch, entsprechend hoch fällt auch der Zinsanteil an der Rate aus – oft macht er in den ersten Jahren deutlich mehr als die Hälfte der Zahlung aus. Mit jeder geleisteten Rate sinkt die Restschuld ein Stück weiter, wodurch auch die darauf berechneten Zinsen kleiner werden. Da die Gesamtrate aber gleich bleibt, wandert die frei werdende Differenz automatisch in den Tilgungsanteil. Je länger das Darlehen läuft, desto schneller schmilzt die Restschuld deshalb ab – ein Effekt, der sich gegen Ende der Laufzeit spürbar beschleunigt.

    JahrZinsanteil (ca.)Tilgungsanteil (ca.)
    16.000 €4.000 €
    55.350 €4.650 €
    104.500 €5.500 €
    153.400 €6.600 €
    202.100 €7.900 €

    Das Beispiel zeigt ein Darlehen über 200.000 Euro mit 3 % Sollzins und 2 % anfänglicher Tilgung, also einer Jahresrate von 10.000 Euro. Wie hoch der Sollzins tatsächlich ausfällt und wie du verschiedene Angebote vergleichst, liest du in unserem Beitrag zum effektiven Jahreszins, der neben dem reinen Zinssatz auch Gebühren und Auszahlungsbedingungen berücksichtigt.

    Anfangsphase

    Hohe Restschuld bedeutet einen hohen Zinsanteil – die Tilgung wirkt zu Beginn noch gering.

    Restschuld sinkt

    Mit jeder Rate schrumpft die Schuld, wodurch der Zinsanteil kontinuierlich kleiner wird.

    Tilgung beschleunigt sich

    Zum Ende der Zinsbindung fließt der Großteil der Rate in die Rückzahlung der Restschuld.

    Annuitätendarlehen im Vergleich zu anderen Darlehensarten

    Neben dem Annuitätendarlehen gibt es weitere Darlehensformen, die sich in der Verteilung von Zins und Tilgung unterscheiden. Beim reinen Tilgungsdarlehen bleibt die Tilgungsrate konstant, die Gesamtbelastung sinkt dafür Jahr für Jahr, was anfangs zu einer höheren monatlichen Belastung führt. Beim endfälligen Darlehen wird während der Laufzeit ausschließlich Zins gezahlt, die komplette Tilgung erfolgt erst am Ende in einer Summe, häufig über einen parallel angesparten Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung.

    Für die meisten privaten Baufinanzierungen hat sich das Annuitätendarlehen durchgesetzt, weil es Planungssicherheit mit einem stetigen Schuldenabbau verbindet. Wichtig bleibt trotzdem, am Ende der Zinsbindung die Restschuld im Blick zu behalten: Läuft die vereinbarte Zinsbindungsfrist aus, bevor das Darlehen vollständig getilgt ist, wird eine Anschlussfinanzierung zu dann aktuellen Konditionen nötig.

    Fazit zur Annuität

    Die Annuität ist die gleichbleibende Gesamtrate eines Darlehens, in der sich Zins- und Tilgungsanteil über die Laufzeit verschieben, ohne dass sich die monatliche Belastung ändert. Wer diesen Mechanismus versteht, kann besser einschätzen, wie schnell die eigene Restschuld tatsächlich sinkt und wann sich ein Vergleich der Anschlusskonditionen lohnt.

    Kurz erklärt: Die Annuität ist die feste Rate eines Annuitätendarlehens aus Zins und Tilgung – der Zinsanteil sinkt mit fallender Restschuld, der Tilgungsanteil steigt entsprechend, die Gesamtrate bleibt dabei über die Zinsbindung unverändert.

    Im Tilgungsplan lässt sich genau ablesen, wie sich Zins- und Tilgungsanteil einer Annuität über die Jahre verschieben.

    Was bedeutet Annuität einfach erklärt?

    Annuität bezeichnet die gleichbleibende Rate eines Darlehens, die sich aus Zins- und Tilgungsanteil zusammensetzt und über die vereinbarte Zinsbindung konstant bleibt.

    Warum bleibt die Annuität immer gleich hoch?

    Weil sinkende Zinszahlungen bei fallender Restschuld automatisch durch einen steigenden Tilgungsanteil ausgeglichen werden, sodass die Summe aus beiden konstant bleibt.

    Was ist der Unterschied zwischen Annuität und Tilgung?

    Die Tilgung ist nur der Teil der Rate, der die Restschuld verringert. Die Annuität ist die gesamte Rate, also Zinsanteil plus Tilgungsanteil zusammen.

    Was passiert am Ende der Zinsbindung eines Annuitätendarlehens?

    Ist das Darlehen bis dahin nicht vollständig getilgt, wird für die verbleibende Restschuld eine Anschlussfinanzierung zu den dann aktuellen Zinskonditionen benötigt.