spreizung heizung bedeutung

Energie & Haustechnik · Heizung

Spreizung

Die Spreizung ist die Temperaturdifferenz zwischen dem warmen Vorlauf und dem zurücklaufenden Wasser einer Heizungsanlage.

Heizungswasser verlässt den Wärmeerzeuger warm, gibt in den Heizflächen Wärme ab und kommt kühler zurück. Der Unterschied zwischen beiden Temperaturen ist die Spreizung, angegeben in Kelvin. Sie verrät, wie viel Wärme das Wasser unterwegs wirklich losgeworden ist. Ist sie groß, fließt zu wenig Wasser oder die Heizfläche ist zu klein. Ist sie klein, rauscht das Wasser zu schnell durch und die Pumpe verbraucht mehr Strom als nötig.

Einheit

Kelvin. Ein Kelvin Unterschied entspricht einem Grad Celsius Unterschied.

Formel

Spreizung gleich Vorlauftemperatur minus Rücklauftemperatur.

Eingestellt durch

Den hydraulischen Abgleich und die Pumpenleistung.

Andere Namen

Temperaturdifferenz, Temperaturspreizung, in Datenblättern oft als „Delta T“ oder „dT“ abgekürzt.

Woher der Unterschied kommt

Die transportierte Wärmemenge hängt von zwei Dingen ab: wie viel Wasser fließt und wie stark es abkühlt. Beides steht in einem festen Verhältnis. Halbierst du die Wassermenge, verdoppelt sich bei gleicher Wärmeabgabe die Spreizung.

Daraus folgt eine praktische Regel: Die Spreizung ist kein Wert, den ein Gerät vorgibt, sondern ein Ergebnis. Sie zeigt an, ob Wassermenge und Heizfläche zueinander passen.

Ein Beispiel aus der Praxis. Ein Heizkörper soll ein Kilowatt abgeben. Fließt genug Wasser, kühlt es um zehn Kelvin ab. Wird das Ventil zugedreht und nur die halbe Menge lässt sich durch, muss dasselbe Kilowatt aus der halben Wassermenge kommen. Das Wasser kühlt dann um zwanzig Kelvin ab, und der untere Teil des Heizkörpers bleibt kalt.

Welche Werte sind normal?

SystemÜbliche SpreizungTypische Temperaturen
Alter Heizkörperkreisetwa 20 K70 Grad Vorlauf, 50 Grad Rücklauf
Moderner Heizkörperkreisetwa 10 bis 15 K55 Grad Vorlauf, 42 Grad Rücklauf
Fußbodenheizungetwa 5 bis 8 K35 Grad Vorlauf, 29 Grad Rücklauf
Wärmepumpeetwa 5 bis 8 K35 Grad Vorlauf, 30 Grad Rücklauf
Warmwasserbereitungdeutlich größerje nach Speicher und Ladezustand

Die Werte gelten für den Auslegungsfall, also für sehr kalte Tage bei voller Last. An milden Tagen ist die Spreizung immer kleiner, weil weniger Wärme abgenommen wird. Ein Messwert im Oktober sagt deshalb wenig über die Auslegung aus.

Verbindlich sind am Ende die Angaben des Herstellers und die Auslegung der Anlage. Die Tabelle hilft beim Einordnen, ersetzt aber keine Berechnung.

Was eine zu große Spreizung verrät

Steht am Heizkörper oben 60 Grad und unten 35 Grad an, während der Raum nicht warm wird, fehlt Wassermenge. Die häufigsten Ursachen sind ein zu weit geschlossenes Ventil, eine falsch eingestellte Rücklaufverschraubung, Luft im Kreis oder eine Pumpe, die auf zu kleiner Stufe läuft.

Auch verengte Rohre kommen infrage. Ablagerungen und Schlamm setzen den Querschnitt über Jahre zu, besonders in alten Anlagen mit häufigem Wassernachfüllen. Wie sich harte Ablagerungen bilden, beschreibt der Beitrag zu Kesselstein.

Ein einfacher Test grenzt die Ursache ein: Fasse den Heizkörper oben und unten an. Ist er oben heiß und unten kalt, fehlt Durchfluss. Ist er insgesamt lauwarm, liegt es eher an einer zu niedrigen Vorlauftemperatur oder an einer zu kleinen Heizfläche.

Eine zu große Spreizung ist selten harmlos. Sie bedeutet fast immer, dass einzelne Räume unterversorgt sind, während die Anlage insgesamt zu hoch fährt, um das auszugleichen. Das kostet Energie in allen anderen Räumen mit.

Was eine zu kleine Spreizung verrät

Liegen Vorlauf und Rücklauf nur zwei oder drei Kelvin auseinander, fließt zu viel Wasser. Es rauscht durch die Heizflächen, ohne genug Wärme abzugeben, und kommt fast unverändert zurück.

Drei Folgen hat das. Erstens läuft die Pumpe unnötig stark und verbraucht mehr Strom, wobei sich die Leistung überproportional mit der Fördermenge erhöht. Zweitens strömt heißes Wasser zurück zum Erzeuger. Bei einem Brennwertgerät verhindert ein hoher Rücklauf, dass der Abgasdampf kondensiert, und genau daraus zieht die Brennwerttechnik ihren Vorteil.

Drittens leidet eine Wärmepumpe. Sie arbeitet umso sparsamer, je niedriger sie die Temperatur anheben muss. Ein unnötig warmer Rücklauf drückt die Effizienz, die im Beitrag zur Jahresarbeitszahl beschrieben wird. Wie die Anlage grundsätzlich arbeitet, erklärt der Beitrag zur Wärmepumpe.

Kurzzeitig ist eine kleine Spreizung normal, etwa direkt nach dem Anfahren oder wenn die Thermostate fast geschlossen sind. Dauerhaft ist sie ein Hinweis auf eine überdimensionierte Pumpe oder auf einen fehlenden Abgleich.

Warum der hydraulische Abgleich der Hebel ist

Ohne Abgleich nimmt sich jeder Heizkörper so viel Wasser, wie sein Widerstand zulässt. Die Heizfläche nah an der Pumpe bekommt zu viel, die im letzten Zimmer zu wenig. Beide zeigen dann eine falsche Spreizung, nur in entgegengesetzte Richtung.

Beim Abgleich wird für jeden Heizkörper die benötigte Wassermenge berechnet und am Ventil eingestellt. Damit stellt sich die Spreizung von selbst auf den geplanten Wert ein. Der Ablauf ist im Beitrag zum hydraulischen Abgleich beschrieben.

Der Effekt ist messbar. Nach einem sauberen Abgleich liegen die Rücklauftemperaturen aller Heizkörper eng beieinander, statt zwischen weit auseinanderliegenden Werten zu streuen. Genau diese Gleichmäßigkeit ist das eigentliche Ziel, nicht eine bestimmte Zahl an einem einzelnen Gerät.

Erst danach lässt sich die Vorlauftemperatur sinnvoll absenken. Wer sie ohne Abgleich reduziert, bekommt zuerst Beschwerden aus dem entferntesten Raum und dreht sie wieder hoch.

Spreizung selbst messen

Für eine grobe Prüfung reicht ein Infrarot-Thermometer. Gemessen wird an den blanken Rohren direkt am Heizkörper, nicht an Lack oder Isolierung, weil beides das Ergebnis verfälscht.

  1. Warte an einem kalten Tag, bis die Heizung mindestens eine Stunde durchgehend läuft.
  2. Öffne das Thermostat des betrachteten Heizkörpers vollständig.
  3. Miss am Zulaufrohr und am Rücklaufrohr jeweils an derselben Stelle.
  4. Notiere beide Werte und die Außentemperatur. Ohne Außentemperatur ist ein Wert nicht einzuordnen.
  5. Wiederhole die Messung an mehreren Heizkörpern, auch am entferntesten im Haus.

Genauer misst ein Anlegefühler, den viele Regelungen ohnehin verbaut haben. Viele moderne Wärmeerzeuger zeigen Vorlauf und Rücklauf direkt im Display an, was die Messung überflüssig macht.

Arbeiten an gas- oder ölbeheizten Geräten, an Sicherheitsventilen und am Ausdehnungsgefäß gehören in die Hand eines Fachbetriebs. Thermostate öffnen und Temperaturen ablesen kannst du gefahrlos selbst.

Häufige Fragen zur Spreizung

Welche Spreizung ist die beste?

Die, für die die Anlage ausgelegt wurde. Bei Heizkörpern sind zehn bis fünfzehn Kelvin üblich, bei Flächenheizungen und Wärmepumpen fünf bis acht. Eine allgemein beste Zahl gibt es nicht.

Kann ich die Spreizung direkt einstellen?

Nicht unmittelbar. Du veränderst sie über die Wassermenge, also über Ventileinstellungen und Pumpenleistung. Die Spreizung ist das Ergebnis dieser beiden Größen.

Warum bleibt mein Heizkörper unten kalt?

Weil das Wasser fast seine gesamte Wärme schon oben abgibt. Ursache ist meist zu wenig Durchfluss, Luft im Heizkörper oder ein zu klein eingestelltes Ventil.

Ändert sich die Spreizung übers Jahr?

Ja, deutlich. An milden Tagen wird weniger Wärme abgenommen, die Differenz sinkt. Aussagekräftig ist eine Messung nur an kalten Tagen unter Volllast.

Was hat die Spreizung mit dem Stromverbrauch zu tun?

Eine kleine Spreizung bedeutet hohe Wassermengen. Die Pumpenleistung steigt dabei überproportional an, sodass eine falsch eingestellte Pumpe spürbar Strom kostet.

Fachlich geprüfte Begriffserklärung. Die genannten Spreizungen sind übliche Auslegungswerte; verbindlich sind die Herstellerangaben und die Anlagenauslegung. Arbeiten an gas- oder ölbetriebenen Geräten gehören zum Fachbetrieb.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert